Reasoning and Rehabilitation (R&R) :: Behandlungskonzept

Studien zwischen 1960 und 1985 ergaben, dass viele Straftäter Defizite in kognitiven Fertigkeiten aufweisen, z.B. Selbstkontrolle, interpersonelles Problemlösen, Selbstsicherheit und soziale Interaktion, kritisches Urteilen und viele mehr. Auf Grundlage dieser Studien wurde von Dr. Robert R. Ross & Fabiano 1986 das Reasoning und Rehabilitation Program (R&R) entwickelt. Das Programm wurde über Jahre in 22 Ländern weltweit durchgeführt, in zwölf Sprachen übersetzt, die Wirksamkeit des Programms wurde in vielen unabhängigen internationalen Evaluationen bestätigt und weitere spezielle R&R-Programme wurden entwickelt. Die Durchführung des Behandlungsprogramms ist nur ausgebildeten TrainerInnen vorbehalten. Das R&R-Programm richtet sich an alle möglichen Typen von Straftätern – erwachsene sowie Jugendliche, auch präventiv für gefährdete Schulkinder, die straffällig zu werden drohen, an alkohol- und drogenabhängige Straftäter, an Sexualstraftäter, Gewaltstraftäter, Wirtschaftskriminelle und psychisch gestörte Straftäter.

Die Entstehung des Behandlungsprogramms beinhaltet jahrzehntelange Forschung, zahlreiche Studien über Interventionstechniken und Defizite von StraftäterInnen mit dem Ergebnis die Programmkomponenten im R&R zusammenzufassen – Selbstbeherrschung, Metakognition, kritisches logisches Denken, soziale Fertigkeiten, zwischenmenschliche kognitive Problemlösefertigkeiten, kreatives Denken, Einnehmen von sozialen Perspektiven, Förderung von Werten, emotionale Kontrolle und prosoziales Handeln. Das ursprüngliche Programm umfasst 35 Sitzungen, zu je 2 Stunden. Metaanalysen von über 20 Jahre Forschung bestätigten die rückfallpräventive Wirksamkeit von R&R.

R&R2 – Kurzfassung für Erwachsene ist die erste überarbeitete Fassung, welche neuere Forschungen berücksichtigte, wurde 2006 von Robert R. Ross et. al. entwickelt, 2008 herausgegeben und vom Institut für forensische Psychiatrie Haina e.V. ins Deutsche übersetzt (Erstauflage 2012).

R&R2 vermittelt in 14 Sitzungen zu jeweils zwei Stunden kognitive und emotionale Fertigkeiten und Werte, Selbstkontrolltraining, Problemlösestrategien, Strategien zur emotionalen Kontrolle, Strategien zur Konfliktbewältigung und Verhandlung, konsequenzenorientiertes Denken, das Erwägen von Alternativen und das Einnehmen einer sozialen Perspektive und Werte.

R&R2 versteht sich als Training und soll antisozialen Personen Fertigkeiten an die Hand geben um Problemen aus dem Weg zu gehen oder diese besser zu lösen. Während den Sitzungen werden Übungen, Rollenspiele und Gruppendiskussionen durchgeführt. R&R2 setzt auf „Lehren statt Predigen“, das Programm soll die Teilnehmer ermutigen ihre prosoziale Entwicklung voranzutreiben. Ein wesentliches Element sind „Hausaufgaben“ um die erlernten kognitiven Fertigkeiten zu fördern und einzuüben. Ziel des Programms ist es Straftätern zu ermöglichen aus der Kriminalität zu entkommen und einen neuen Weg zum Erfolg einzuschlagen.

Quelle:
Schmidbauer, Walter et. al., R&R2 Kurzfassung für Erwachsene, deutsche Erstauflage, Gießen, 2012